28.06.2010  10:48 Uhr

Arne Friedrich
Führungsspieler Arne Friedrich - Aufstieg dank Abstieg?

Sportilla. Wer hätte das vor der WM gedacht? Arne Friedrich, Abwehr-Wackelkandidat, steigert sich mit jedem Spiel. Und setzt zunehmend auch spielerische Akzente.

Mit Hertha BSC klar und deutlich abgestiegen, kommt mit Arne Friedrich quasi ein Zweitligaspieler zur Nationalmannschaft. Und Spieler aus unteren Ligen sind im A-Team die absolute Ausnahme. Irgendwie ein Makel, aber Jogi Löw und sein Team wissen, was sie an ihm haben. Einen erfahrenen Abräumer, der mehr und mehr zum Stützpfeiler der Abwehr – und damit auch der deutschen Mannschaft – wird.

31 Jahre ist Arne Friedrich jetzt alt, das Länderspiel gegen England im WM-Achtelfinale war sein 76. Einsatz, und es war hoffentlich noch nicht das Spiel seines Lebens. Das darf gerne zu einem späteren Zeitpunkt dieser WM stattfinden.

Dennoch, Friedrich war ungeheuer präsent, stopfte Löcher, ergrätschte sich eine – für ihn folgenlose - Gelbe Karte und stellte dann fest: „Mein Freund ist aus Leder.“ Balleroberung, kurze Finte, zwei, drei Engländer ins Leere laufen lassen, dann der öffnende Pass nach vorn – was Friedrich machte an diesem Abend in Bloemfontain hatte Hand und Fuß.

Auch außerhalb des Platzes geht Arne Friedrich energisch zur Sache. „Wir haben gegen Ghana kein gutes Spiel gezeigt. Wir müssen es alle selbstkritisch sehen, dass diese Leistung gegen England nicht reichen wird“, sagte der Innenverteidiger. Worte, die ansonsten nur dem Kapitän zustehen. Der Ex-Herthaner, auf Vereinssuche, leistete seinen Beitrag im Spiel gegen England, dass es reichte, zu einem klaren 4:1-Erfolg, zum Weiterkommen. Das hätte an diesem Nachmittag auch ein mögliches Zwischenresultat von 2:2 nicht verhindert.

Diese neunzig Minuten auf dem Platz, die darf man getrost als Arne Friedrichs Visitenkarte sehen, besser noch als seine kompletten Bewerbungsunterlagen. Wie Podolski und auch Schweinsteiger feierte er während der WM Länderspieljubiläum (75), allerdings ging das irgendwie unter. Die beiden Kollegen sind zum einen wesentlich jünger, und Arne Friedrich geht die Rolle an vorderster Front irgendwie ab. Irgendwo zwischen Mauerblümchen und Mitläufer waren die Schubladen, in die Friedrich vermeintlich einsortiert wurde.

Friedrichs Quote an gewonnnen Zweikämpfen bei dieser WM nähert sich der 100-Prozent-Marke, seinen eigentlich stärker eingeschätzten Nebenmann in der Innenverteidigung, Per Mertesacker, hat er hinter sich gelassen. Vielleicht war ja der Abstieg mit der Hertha der Beginn des Aufstiegs mit der Nationalmannschaft. Friedrich jedenfalls sieht in der verkorksten Bundesligasaison eine wichtige Lebenserfahrung, aus der er gestärkt hervorgegangen ist.

Seine Bewerbungsmappe wird immer dicker, den bisherigen WM- Verlauf würde Joachim Löw in der Sprache der Personalchefs wie folgt benoten: „Arne Friedrich erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“ Was nichts anderes als die verklausulierte Bestnote „Sehr Gut“ meint.


 

(Redaktion)

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