05.07.2010  15:22 Uhr

Urs Siegenthaler
Urs Siegenthaler - ein Schweizer macht den Unterschied

Sportilla. Urs Siegenthaler macht eigentlich einen Traumjob. Weltweit Spiele beobachten für den DFB. Die ständige Suche nach Lösungen allerdings geht auch mächtig an die Substanz.

„Jogi Löw weiß mehr über den Gegner als der von sich selbst.“ Danke, endlich mal ein guter Reporterspruch, der die Sache auf den Punkt bringt. Im Zweifelsfalle auch auf den Elfmeterpunkt. Denn dass Jens Lehmann bei der WM 2006 gegen Argentinien zwei Strafstöße vereiteln konnte, lag auch an der exzellenten Vorarbeit von Urs Siegenthaler.

Urs Siegenthaler – das ist auf der einen Seite die pure Leidenschaft für den Fußball. Spieler des FC Basel und der Young Boys Bern. Trainerschein an der Sporthochschule in Köln. Trainer beim FC Basel, Jugendtrainer beim FC Grenchen und schließlich Trainerausbilder des Schweizerischen Fußballverbandes.

Jürgen Klinsmann war es, der Urs Siegenthaler 2005 in sein Kompetenzteam berief. In dessen Blickfeld stehen die kommenden Gegner, deren Stärken, aber auch deren Schwächen. Siegenthalers Job: Strategien zu entwickeln, wie einerseits die Stärken am besten zu bekämpfen sind, und auf der anderen Seite die Schwächen eiskalt zu nutzen.

Siegenthaler sieht sich dabei im Umfeld von Forschung – gut gemeint – oder aber auch Werksspionage. Ein hässliches Wort, aber ohne geht es nicht mehr. „007“ ist denn auch ein Spitzname, mit dem Siegenthaler gerne belegt wird. Es geht bei Siegenthalers Arbeit nicht um die Standards, wie nun ein Lionel Messi das Spiel macht, sondern es geht um die Situationen, wenn die Emotionen überkochen. Was macht der Gegner, wenn er in Rückstand gerät?

Wenn man bedenkt, dass Urs Siegenthaler ein Spiel live über 90 Minuten verfolgt, es dann umfangreich analysiert, nein, das Wort seziert trifft es wohl besser, Szenen zusammen schneidet, gerät er schnell an zeitliche Limits. Wieder wird die Kölner Sporthochschule zum wichtigen Eckpfeiler, denn dort beschäftigt er ein Reihe Studenten, die ihn unterstützen. Zeitungsauswertungen, Videoanalyse, die jungen Menschen, die Siegenthaler aus einem Pool von Sponsoren für ihre Tätigkeit bezahlt, sind stolz, dabei sein zu dürfen.

Dabei ist das, was Siegenthaler macht, in anderen Ländern längst gang und gebe gewesen. Aber mit dem, was Siegenthaler macht, hat er die anderen Nationen längst überholt. Für ihn sind die Teams oben mit dabei, die über einen guten Teamspirit verfügen. Er schwärmt vom nächsten Gegner Spanien, die Automatismen, der ständige Vorwärtsgang.

So weit sieht er die deutsche Nationalelf noch nicht. Aber sie kann es am Mittwoch schaffen. Indem sie die Stärken der Iberer bekämpft und deren Schwäche ausnutzt.


 

(Redaktion)

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